Ta det lugnt

In Schweden kommt alles immer anders und dauert vor allem lange. Das weiss ich nun nach über einem Jahr. Trotzdem ist es manchmal nicht einfach sich daran zu gewöhnen und damit zu leben. Ich schmiede gerne Pläne, schreibe ein Arbeitsschema und weiss einfach gerne was ich so mache. Nun habe ich ja schon so einiges geändert und im Grunde ist es jetzt fast perfekt. Smiling
Trotzdem ist es nicht so, dass ich so richtig leicht planen könnte. Immer wenn ich denke: "jetzt hab ich es", ändert sich was oder zieht sich was raus. Jedes Mal. Das ist nicht immer negativ aber eben meist nicht planbar. Meine Einzelschülerin über die Volkshochschule z.b. sollte am Montag nach Deutschland fliegen. Wir hätten heute die letzte von 50 Stunden gemacht. Nun kam sie heute und fragte ob ich auch nächste Woche noch Zeit für sie hätte. Sie fährt doch erst eine Woche später. Das ist natürlich super für mich da ich dadurch wieder mehr Geld verdiene und es mir noch richtig Spaß macht mit ihr. Auf der anderen Seite ist das ja ein Zeitproblem. Ich plane ja meine anderen Arbeiten auch ein und da kann es dann zu Überschneidungen kommen. Zum Glück ist es diesmal perfekt ausgegangen. Nächste Woche sind hier Schulferien und so fällt meine andere Arbeit mit der Schülerin aus. Das passt doch wie von mir geplant Smiling

Mal wieder Neues von der Arbeit

In den letzten Monaten hat sich bei mir ständig etwas verändert. Seit ich im August wieder angefangen habe zu arbeiten habe ich so ziemlich jeden Monat eine Änderung erlebt. Teils war das selbst so gewünscht, teils ging es nicht anders. Angefangen hatte ich ja mit dem Gedanken ein paar Stunden in der WOche auszuhelfen. Von jetzt auf gleich stand ich mehr oder minder alleine da, musste plötzlich 80% arbeiten und hatten noch keine Ahnung vom System hier. Schwedische Schulen ticken etwas anders Smiling
Die Arbeit machte Spaß und war gleichzeitig recht anstrengend, es kam ja auch noch das Sprachproblem dazu. Als Deutschlehrerin zu arbeiten war eine Sache, ich hab das ja nicht gelernt um genau zu sein. Es dann aber zwischenzeitlich in einer anderen Sprache zu tun, das war dann schon eine Herausforderung. Vor allem mit den Schülern im Teenageralter. Wie dem auch sei, ich habe meine Arbeitszeit erhöht, gesenkt, Gruppen neu angefangen, andere abgegeben um sie dann teilweise später wieder zu übernehmen... Chaos. "Nebenher" hatte ich und habe ich auch jetzt noch drei Kurse bei der Volkhsochschule. Einer davon ist eine normaler Abendkurs und zwei Kurse mache ich hier bei einer Firma, die das über die VHS gebucht hat. Die VHS heisst hier allerdings medborgarskolan, das Prinzip ist aber das Gleiche. Über diese medborgarskolan habe ich zur Zeit einen Intensivkurs. Die Frau arbeitet in Schweden für eine deutsche Firma und muss dafür so schnell wie möglich deutsch lernen. Wir haben nun in den letzten Wochen jeden Tag daran gearbeitet. Nächste Woche haben wir noch, dann muss sie zu einer Fortbildung nach Deutschland. Bis dorthin haben wir insgesamt 50 Stunden miteinander gearbeitet und sie hat eine ganze Menge gelernt. Vom freien Sprechen ist sie leider noch ein wenig entfernt, was man aber auch nach vier Wochen nicht erwarten kann. Wir hatten ja keinen Ganztageskurs. Obwohl wir manchmal mehrere Stunden gearbeitet haben und sie ja abends immer Hausaufgaben hatte...
Wie gesgagt, wir haben noch eine Woche. Das macht sich ganz gut, denn nächste Woche fange ich nun endlich auch im Büro an. Dann werde ich insgesamt drei Arbeitsplätze haben. Die Kurse bei der medborgarskolan, das Büro und noch eine Schülerin über meinen alten Arbeitgeber bei dem ich eigentlich gekündigt hatte. Wir haben einen neuen Vertrag gemacht aber nur für diese eine Schülerin die ich 10 Stunden in der Woche betreue.
Es wird also nicht langweilig. Smiling

Bandy-Weltmeisterschaft in Västerås

In Schweden spielt man Bandy. Das ist so wie Eishockey und doch wieder nicht. Grundsätzlich ist es erst mal ähnlich, immerhin es spielt auf Eis und man hat lange "Schläger" Smiling
Obwohl die Regeln doch stark abweichen, ist Bandy mehr oder minder der Vorläufer des heutigen Eishockeys, wird aber weiterhin in vielen Ländern gespielt. Daraus haben sich dann auch noch andere Spiele entwickelt wie z.B. das Innebandy, das man ohne Eis spielt. Wer mehr über Bandy wissen will, kann ja mal hier schauen.
Bandy ist zwar nicht so bekannt wie Fussball aber es gibt doch immerhin eine Weltmeisterschaft und es kommen erstaunlich viele Manschaften zusammen. Dieses Jahr, genauer gesagt in diesen Wochen, wird die diesjährige Meisterschaft hier in Västerås ausgetragen. Bei Radio Schweden wurde fälchlicherweise gesagt, dass es in der Stockholmregion ausgetragen wird. Naja, bei den Größenverhältnissen in Schweden stimmt das ja sogar noch. Aber als Västeråser möchte man ja nicht zu den 08ern gezählt werden... Wir sind nicht Stockholm bitte schön!
Jedenfalls findet in diesen Tagen die Weltmeisterschaft von Bandy bei uns statt. Das ist aufregend. Schweden liegt bisher sehr gut im Rennen und hat gerade heute wohl wieder ein wichtiges Spiel gewonnen. 13-3 gegen Vitrussland. Bis auf Sonntage und die Endspiele braucht man keine Karten kaufen, die SPiele sind frei. Ist das nicht toll? Kein Wunder, dass man gerade besonders viele Schulklassen sieht, die in Schwedenfarben geschmückt gemeinsam zum Spiel gehen oder davon zurück kommen. Heute habe ich erst wieder viele Jugendliche mit Fahnen und geschminkt aus dem Bus aussteigen sehen. Erst wunderte ich mich etwas, denn so etwas sieht man hier recht selten. Dann wusste ich es wieder. Klar, die Schweden sind begeistert von Bandy und wenn die Weltmeisterschaft schon mal hier ist, muss man ja erst recht zur eigenen Manschaft halten. Sie sollen den Heimvorteil ja auch richtig nutzen können. Dummerweise hat Schweden in den letzten Jahren wohl schon mehrmals gegen Russland im Finale verloren. Nun fragt man sich ob der Heimvorteil wirklich ein Vorteil wird oder ob der Druck dadurch nur noch größer wird.
Mehr über Bandy, die Weltmeisterschaft und unsere schöne Stadt im Bandyfieber kann man hier nachlesen. Auch auf englisch wenn man umschaltet.

Kündigung auf schwedisch

Wie schreibt man eine Kündigung auf schwedisch? Das habe ich mich diese Woche gefragt. Ich habe auch andere (teils Schweden) gefragt. Sie wussten es nicht! Manche haben einfach immer dann die Stelle gewechselt, wenn der Vertrag ausgelaufen war. Eine Kollegin meinte, ich solle einfach nur mit der Rektorin reden. Das habe ich getan und siehe da, es gibt ein Formular zum Kündigen! Einfach ausfüllen und fertig.
Ihr merkt, ich habe gekündigt. Ab Ende des Monats bin ich keine Lehrerin mehr. Wie schön. Es tut mir um ein paar der Schüler sehr leid. Sie werden mir fehlen, besonders die Kleinen. Aber trotzdem ist das ein gutes Gefühl. Ich habe mich über so viele Dinge da geärgert, dass ich da nicht lange arbeiten wollte. Das Arbeitsumfeld war schon nicht so richtig optimal, um es mal vorsichtig auszudrücken. Wer mag auch schon gerne wochenlang ohne Vertrag und Geld arbeiten? Oder Fahrzeiten nicht bezahlt bekommen, oder Gruppengymnastik mit hundert anderen Lehrern (in Winterkleidung) machen?
Ich werde aber nicht ohne Arbeit sein, denn es haben sich andere Möglichkeiten aufgetan. Genaues weiss man nicht, denn wir sind ja in Schweden Smiling Mir wurde jedenfalls angeboten, in einer Firma im Büro zu arbeiten - genauer: bei Jochen im Büro. Ab wann und wieviel ist noch unklar. Alles ganz 'lagom' hier. Das macht aber nicht so viel, da ich ja noch die Kurse bei der Volkshochschule habe. Das sind mindestens ein Abendkurs und die zwei Mittagskurse, und vermutlich noch mehr. Das ist ja schon mal was. Ausserdem wird noch eine Schülerin bleiben, die ich betreue, und wer weiss, was sonst noch so kommt. Mein Schwedischkurs läuft ja immer noch. Ich schaffe zwar, ohne zu viel Arbeit, die Prüfungen, aber hingehen und sie machen muss ich ja trotzdem. Und ich muss ja auch noch die Aufsätze schreiben und die Vorträge vorbereiten. Einen habe ich immerhin am Montag gehalten. Ich habe ein Buch vorgestellt, das ich vor einem halben Jahr hier gelesen hatte. Milda Makter von einem Finnen, dessen Namen mir unaussprechlich erscheint. Arto Paasilinna. Viel schlimmer sind allerdings die Figuren im Buch. Ich habe mich da während des Vortrages geärgert, dass die so unaussprechlich waren... Smiling
Immerhin, einen Vortrag hab' ich. Nun muss ich noch einen weiteren über eine bekannte schwedische Persönlichkeit halten. Vermutlich bleibe ich da bei Nina Persson hängen, ich mag ihre Musik und über Astrid Lindgren und Olof Palme reden ja alle Smiling Das wird langweilig mit der Zeit. Vor allem für die Lehrer.
Jedenfalls hoffe ich, dass ich durch die Kündigung in den nächsten Wochen etwas mehr Zeit für diese Sachen habe. Es ist irgendwie schon peinlich, wenn ich den Kurs nicht abschliesse... Zumal ich dann ja nicht weiterkomme... Und für manche Jobbs oder Ausbildungen brauche ich den Beleg, dass ich die Kurse gemacht habe. Wer weiss ob ich nicht irgendwann wieder studieren möchte? Dazu muss ich dummerweise erst noch das Abi im Fach Schwedisch nachholen... Das dauert allein schon 1-2 Jahre, ich mach das ja nebenbei und nicht im Vollzeitkurs.