Heute morgen war es weiß vor'm Fenster. Heute nacht hatte es geschneit - zum ersten mal in diesem Winter. Aber ich habe mir sagen lassen, daß auch Deutschland nicht verschont geblieben ist.
Na, dann wird es langsam Zeit für die Winterreifen, was? 
... sonst hätte er sich diesen Quatsch nicht ausgedacht. Von wegen, im Herbst kann man länger schlafen. Nix da, die Kinder stehen zur gleichen Zeit auf wie immer, nur diesmal ist es eben 6 Uhr. Na, es ist ja Sonntag. Und dafür gehen sie ja abends eine Stunde später ins Bett... da sind sie auch schön müde und quengeln rum. Und am nächsten Morgen das gleiche Spiel, um 6 Uhr stehen sie auf.
Im Frühling ist es dafür noch schlimmer. Gut, morgens schlafen sie tatsächlich eine Stunde länger, also bis 8. Am nächsten Morgen darf man sie dann mühsam wecken. Das macht man aber besser schon am Sonntag, so gegen 7, wie immer, denn abends sollen sie ja eine Stunde früher ins Bett gehen. Und da sind sie ja noch garnicht müde! Das führt wieder zu quengeln. Klar, man kann natürlich den ganzen Tag derart viel Programm machen, daß sie rechtzeitig totmüde ins Bett fallen. Das muss man dann aber tagelang machen, bis sie sich an die Zeit gewöhnt haben, aber dann haben sie sich auch an die viele Unterhaltung gewöhnt...
Lesenswerter Spielgel-Online-Artikel über Kindergärten in Deutschland: In Hamburg muss eine Kita schließen, weil Nachbarn gegen den Lärm geklagt hatten. Solche Klagen häufen sich. Während die Große Koalition den Ausbau der Kinderbetreuung beschlossen hat, berufen sich empfindliche Bürger auf Lärmschutz und Baurecht. Kita-Betreiber finden kaum neue Räume."
und
"Während der vom Bauamt genehmigten Umbauarbeiten der alten Villa, hatte ein Nachbar Bedingungen gestellt: So sollte etwa eine Schallschutzmauer her, Klettergerüste weitab von der Grundstücksgrenze stehen, Spielzeiten im Garten begrenzt werden. Als sich Betreiber und Nachbar nicht einigen konnten, flatterte die Klage ins Haus - und der Kläger bekam in erster Instanz Recht. Das Bezirksamt genehmigte dennoch die Eröffnung zum 1. September. Unter Auflagen: Die 50 Kinder durften sich nur drinnen aufhalten und die Arbeiten für einen Anbau im Garten mussten gestoppt werden."
Das sind dann die gleichen Leute, die sich darüber aufregen, daß wir wegen Kindermangels bald keine Renten mehr zahlen können. Kopfschüttel.
Nun sind die Schweden also auch schon dahinter gekommen was man in Deutschland über Schweden denkt und sieht. Inga Lindström, die ja eigentlich Christiane Sadlo heisst zeigt den Deutschen das was sie von Schweden sehen wollen. Schöne Landschaften, rote Häuser (am See natürlich), liebe und freundliche Menschen, große Liebe...
Natürlich wissen es die Meisten, wohl aber nicht alle... Das ist nicht die Realität in Schweden. Trotzdem hält sich diese Bullerby-Phantasie recht vehement. Vieles was man über Schweden hört und liest stimmt. Nicht alles. Wenn man beispielsweise sagt, "Schweden ist ein Kinderfreundliches oder Familienfreundliches Land" ist das nicht gelogen. Die Frage ist allerdings mit welchem Blickwinkel man daran geht. Die Schweden mögen Kinder und sind nett zu ihnen. Keine Frage. Kinder werden ernst genommen. Auf der anderen Seite ermöglicht diese "Kinderfreundlichkeit", dass beide Eltern Vollzeit arbeiten können/müssen und die Kinder von 8 bis 17 Uhr im Kindergarten untergebracht sind. Vollzeitbetreuung. Das erschreckt viele, die ein so anderes Bild aus Schweden im Kopf haben. Manche Eltern sehen ihre Kinder zum Abgeben und Abholen im Kindergarten, zum Abendessen und Insbettgehen. Ausserdem natürlich am Wochenende. Kein Wunder, dass dieses so intensiv wie möglich genutzt werden soll. Dies ist nicht bei allen so, es ist jedoch mehr Realität als man es erwarten würde. Es ist so normal, dass sich niemand drüber wundert. Wer nicht arbeiten will, damit die Kinder nicht so lange in den Kindergarten müssen, der erntet unter Umständen ebenso ungläubiges staunen wie die "Rabenmutter" in Deutschland, die schon arbeiten möchte obwohl das Kind doch erst 2 ist. Hier gehen Kinder oft mit einem Jahr in die dagis, die Krippe und Kindergarten in einem ist.
Die Inga Lindströmfilme verbreiten ein anderes Schweden. In Schweden eingewanderte können diese Filme zwar vielleicht auch geniessen, sie können jedoch nicht umhin sich an verschiedenen Stellen zu wundern oder gar zu ärgern. Noch nie habe ich in Schweden eine solche Bäckerei mit solchem Brot gesehen wie in einem der Filme. Da kann man sich schon ärgern, da man sich über eine solche Bäckerei freuen würde...
Ebenso spassig ist die Landarztpraxis einer Ärztin aus Stockholm, sowas gibts ebenfalls nicht. Nicht so. Eine vårdcentral bei der mehrere Ärzte verschiedener Richtungen zusammenarbeiten und bei der man unter Umständen wochenlang auf einen Termin warten muss, oder jedes mal einen anderen Arzt vor sicih hat, das ist eher die Realität.
Es ist wahrlich nicht alles schlecht hier, nicht mal schlechter als in Deutschland. Manches ist besser, manches ist schlechter. Insgesamt lässt es sich einfach nur schwer vergleichen da jeder eigene Maßstäbe anlegt. Uns gefällt's, trotz der Fehler. Hat die nicht jedes Land irgendwo?
Interessant ist an dieser Geschichte jetzt, dass die Schweden nun auch auf diese Bullerby-Idylle der Deutschen gekommen sind. Sie sind sich wohl gar nicht bewusst welches Bild wir von Schweden haben. Ja, sie sind richtigehend erstaunt darüber.
Im schwedischen Fernsehn gab es nun einen kleinen Bericht darüber und über diese Filme. Am Samstag werden nun 2 der Inga-Lindströmfilme auf schwedisch gezeigt. Wenn das nicht verrückt ist. Da wird ein Film von Deutschen in Schweden gedreht. Er soll vorspielen, dass es sich um schwedische Menschen handelt, die aber deutsch reden. Nun wird dieser Film ins schwedische Übersetzt und in Schweden gezeigt 
Ich werde ihn mir anschauen und auch ein paar Schweden davon erzählen. Mal schauen was die darüber denken, hinterher.
Am gleichen Abend wird auch ein weiterer Film aus Deutschland (übersetzt) gezeigt und eine deutsche Doku über Stockholms Schärengarten. Auch das werde ich mir anschauen.
Letztlich sind die Inga Lindströmfilme nichts anderes als die Schwarzwaldklinik. Große Gefühle in wunderbarer Landschaft. Ich mag solche Filme auch von Zeit zu Zeit. Sie sind entspannend und gerade die Naturaufnahmen sind dabei besonders beeindruckend.
Man darf halt nur nicht vergessen, dass es Filme sind, die nicht die Realität als Vorbild haben. Wer nach einem solchen Film nach Schweden fährt, könnte in einem fremden Land aufwachen...
Ach ja, für die die es interessiert und die ein wenig schwedisch können...
Hier der Beitrag aus dem schwedischen Fernsehn (es sprechen auch ein oder zwei Leute deutsch).
Nebenbei: Eine interessante Tatsache aus dem Film: In Deutschland gibt es über 200 Astrid-Lindgren-Schulen, in Schweden nur eine einzige.
Gestern vor einem Jahr ist der LKW in Deutschland vorm Haus losgefahren, haben wir uns von unseren Freunden und der Familie verabschiedet und uns auf den Weg nach Schweden gemacht. Gestern abend vor einem Jahr sassen wir auf er Fähre nach Schweden, noch voller Ungewissheit was uns erwarten würde. Vorfreude, Anspannung, Aufregung, Erschöpfung von den Wochen davor... all das in unseren Köpfen.
Heute vor einem Jahr, eigentlich erst heute mittag um drei Uhr vor einem Jahr, haben wir unser Haus das erste Mal betreten. Gesehen, wo wir nun leben und gleich gefühlt, dass das der richtige Platz für uns sein könnte, wenn nur der Rest noch stimmen sollte.
Nun ist also das erste Jahr in Schweden um. Zeit eine Bilanz zu machen und zu schauen wie es gelaufen ist.
Es gab Schwierigkeiten, sicherlich. Wir haben das ein oder andere Mal auch etwas in Deutschland hinterher getrauert. Doch, das schon. Letztlich aber muss ich, müssen wir sagen, dass das alles nicht schlimm war. Im Gegenteil. Wir fühlen uns wohl, sind hier angekommen. Wir leben im normalen schwedischen Alltag und sind glücklich, wenn auch manchmal müde. Es war ein anstrengendes Jahr. Oh ja. Aber es war ein unglaublich schönes und intensives Jahr.
Wir haben uns schneller eingewöhnt als gedacht und wenn man es ganz genau betrachtet, hatten wir keinerlei Schwierigkeiten. Denn es hätte auch anders kommen können. Nicht einen Tag, nicht eine Minute haben wir an dem Entschluss gezweifelt und das Leben hier in Frage gestellt. Im Gegenteil. Es geht uns so gut hier. Die Kinder haben im Kindergarten Freunde und zwar so richtig, wie es sich für das jeweilige Alter gehört. Sie werden akzeptiert und haben auch keine Sprachprobleme mehr. Bei Florian merkt man schon noch, dass er es deutlich schwerer hatte und sein schwedisch kann noch nicht mit deutsch mithalten. Aber er kann sich gut verständigen, versteht alles und wird vor allem akzeptiert, trotz kleinerer Fehler. Lilli kann beide Sprachen gleichwertig und ist sogar auch schon, wie aber Florian auch, in der Lage einezelne Dinge von einer Sprache in die andere zu übersetzen. Das finde ich beeindruckend, nach nur einem Jahr.
Jochen und ich sind sprachlich inzwischen auch so gefestigt, dass wir so ziemlich alles überall mit schwedisch erledigen können. Englisch brauchen wir gar nicht mehr. Natürlich machen wir noch viele Fehler und gerade die Grammatik sitzt noch nicht immer. Wir können uns aber recht flüssig unterhalten und lernen täglich dazu.
Jochen ist in seinem Job sehr glücklich. Die Arbeit macht ihm Spaß, die Kollegen sind sehr nett und die Arbeitsatmosphäre sehr entspannt. Vielleicht gibt es da auch bald wieder eine Band, in der er spielen kann.
Ich habe, schneller als in Deutschland, nach etwa 10 Monaten eine Arbeitsstelle gefunden, die jederzeit aufstockbar wäre. Allerdings möchte ich eher wieder weniger als mehr arbeiten. Aber auch das ist auf absehbare Zeit möglich. Vielleicht wird das nicht mein letzter Arbeitsplatz sein hier, aber wir haben beide etwas gefunden und sind mehr oder minder zufrieden damit.
Es ist ein schönes Gefühl so ganz normal Teil der Gesellschaft zu sein. Als Ausländer fallen wir natürlich schon noch auf aber im Alltag merken wir das nicht so. Es fühlt sich nicht so an als wären wir damit benachteiligt.
Wir kennen mittlerweile auch genug Menschen um uns nicht einsam zu fühlen. Es ist eine bunte Mischung, Schweden, Nicht-Schweden... Es sind mehr Nicht-Schweden aber das scheint normal zu sein. Auch sind die meisten Schweden mit denen wir zu tun haben, mit einem anderen Ausländer verheiratet. Sie zählen also vielleicht nicht? Keine Ahnung, uns ist das auch egal. Wir haben Bekannte, vielleicht Freunde gefunden und sind darüber froh. Wo sie herkommen spielt dabei keine Rolle. Witzig ist es allerdings dann schon wenn alle zusammensitzen. Deutsche, Japaner, Koreaner, Schweizer, Schweden, Amerikaner... bunte Mischung eben.
Das ist aber auch genau das was wir wollten und ein Teil dessen was mal der Grund für die ganze Geschichte war. Multi-Kulti mit allem was dazu gehört.
Nächste Woche sind wir zu einer Helloween-Party eingeladen, hier im Ort. Wir sind ja nicht so die großen Helloweenmenschen, es ist ja auch eher eine amerikanische Geschichte. Trotzdem ist das wieder eine schöne Gelegenheit mit anderen Menschen hier im Ort zusammenzukommen, Kontakte enger zu knüpfen und einfach nur Spaß zu haben. Deshalb freuen wir uns darauf.
Wir sind schon soweit im Ort angekommen, dass wir zu Partys eingeladen werden. Da fällt mir ein, die erste Tupperparty habe ich auch schon hinter mir. Bei einer Nachbarin. Die gibt es also auch hier. 
Das Fazit:
Uns geht es hier sehr gut, wir wollen erst mal nicht wieder weg, sind glücklich über unser Leben und uns ganz sicher, dass es für uns die richtige Entscheidung war. Es bleibt also weiterhin spannend wie lange das Abenteuer Schweden für uns noch anhält.